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CHRONIK DER REISE

Asia el Sur

Asia, die Attraktion des Moments. Seine Strände vergleicht man mit dem beeindruckenden Acapulco. In letzter Zeit wurden Villen entlang dieser 30 km erbaut, dennoch ist der Kilometer 97,5 der Panamericana Sur immer noch der auserwählte Ort für die Heldentaten von Abenteurern, Touristen und Unternehmer. Bisher aber haben nur wenige das weitläufige Gebiet mit seinen Tiefen und verheerenden Dürren durchdrungen. Diese und andere unvergessliche Entdeckungen werden von Rumbos in diesem begeisterten Bericht über einen Ort präsentiert, der sich nur eineinhalb Stunden von Lima entfernt befindet, in Cañete.

Text und Fotos: Iván Reyna Ramos 

Sommer in Asia
Genau am ersten Januar 2006 begannen sich die Strände von Asia zu füllen. Der Boulevard Sur Plaza, der bis zum Ende der Neunziger Jahre nur eine bloße Idee eines Unternehmers war, gilt heute als ein Einkaufs- und Unterhaltungsparadies, das seine Besucher bereits mit großartigen Neuigkeiten für die kommende Sommersaison versorgt. 

Für die Bewohner Asias ist der Boulevard Sur Plaza, der sich auf Kilometer 97,5 der Panamericana Sur befindet, eine Oase inmitten der Wüste. Bis vor fünf Jahren hatte man noch Wasserkanister, Fleisch, Früchte, etc. aus dem Nachbardorf Mala beschaffen müssen, heutzutage findet man an diesem Strand alles - angefangen von Friseurgeschäften bis zu Vergnügungsparks für Kinder und Kartrennbahnen, von Wäschereien zu Dekorationsgeschäften, von Unterwäscheboutiquen zu einer Nachhilfeschule für Mathematik, von Banken und luxuriösen Restaurants zu Kunstgalerien, Diskotheken und DVD-Verleihe, sowie Kinokomplexe, einen Supermarkt und ein Einkaufszentrum. 

Bisher spricht man noch vom Davis Cup, über die Gruppe "Los Prisioneros" und die letzte Weltmeisterschaft im Wellenreiten, die in Asia für Furore sorgten, während man sich zukünftig wieder über Jetskirennen, Mountainbikerennen und Motocross-Rennen unterhalten wird. 

Wenn es Sommer ist in Asia, bietet der Strand alles. Viele kennen jedoch nicht das Hinterland, seine Felder, seine Bräuche, seine Sorgen, seinen Zauber - all dies findet man im Osten, auf dem Weg zu den Schluchten von Coayllo, Omas und zu weiteren Gebirgssiedlungen. 

Die Vergangenheit wiederauferstehen lassen 
Asia, dieser Abschnitt, der sowohl von Reichen als auch von Armen bewohnt und zum Leben auserwählt ist, befindet sich - ohne es sich vorzustellen zu können - oberhalb mehrerer Erdschichten, welche die Zeugnisse der außerordentlichen Fischer, Bauern sowie ersten Weber bedecken, die vor zwei Millionen Jahren vor Christus hier lebten. So legen es die Untersuchungen von Frédéric Engel von 1963 dar, der bei Grabungen ein einfaches Haus aus Sand von bis zu zehn Meter Tiefe freilegte, worin man Spuren der ältesten Zivilisation Asias entdeckte. 

Die ersten Siedler erlebten eine dramatische Vergangenheit voller Angst und Panik: der unaufhörliche Kampf angesichts der Erosionen und die unversöhnlichen Vandalenstämme, die auf ihren Wanderungen die Gemeinden zerstörten. Nichts desto trotz entfalteten sie erstaunliche Fähigkeiten,: sie entwickelten Jaranas mit Flöten aus Kochen, Zumbadores und Tamborcitos aus Lamafell, sie widerstanden der Kälte, indem sie aromatische Kräuter rauchten, sie fertigten ihre Angelschnüre aus Baumwollfäden an und begaben sich trickreich auf Seelöwenjagd. 

Tausend Jahre vor Christus waren die Fischer von der Chavin-Kultur beeinflusst, deren Mitglieder Mais anbauten und schwarze Keramikgefäße herstellten. Bereits in einer weiterentwickelten Phase stellten sie ihre Gottheiten in Form einer Raubkatze, eines Vogel und einer Schlange dar. Aufgrund der Zeugnisse und Spuren nimmt man an, dass das Asia-Tal einst dicht besiedelt war. 

Huaca malera
Auf Kilometer 100 der Panamericana Sur ragt eine vier Hektar große Anhöhe rund 16 Meter in die Höhe. Es handelt sich um das Verwaltungszentrum und religiöse Zentrum, das über einen gewaltigen Felsen erbaut wurde und später in einen Friedhof umgewandelt wurde. Man fand dort 100 Skelette, die mit bis zu sieben Umhängen umwickelt waren. Als Julio C. Tello und Toribio Mejía Xesspe im Jahr 1925 die Ausgrabungsstätte untersuchten, entdeckten sie 309 Grabdecken und -umhänge, die dem Museo Nacional de Antropología y Arqueología übergeben wurden. Seitdem rechnet man den Ort zum Wari-Reich und die Gräber zum Inka-Reich, während Frédéric Engel die Fundstelle mittels Radiokarbonuntersuchungen auf 950 Jahre vor Christus datierte. 

Malena ist eines der wichtigsten antiken Monumente im Valle de Asia und daher widmen sich die Archäologen Dennisse Pozzi und Rommel Ángeles seit neun Jahren ausführlich der wissenschaftlichen Erforschung und haben bisher zwei Öfen ausgegraben, die zum Brennen der Gefäße dienten, vier Millionen Textilstücke, 82 Metallstücke, um die hundert Grabdecken und die in Stein gemeißelte Nachbildung eines Fischers, der sich über ein "caballito de totora" (traditionelle Bootsart) beugt. 

Herausragende Entdeckungen stehen im Widerspruch mit den bösen Geistern an diesem Ausgrabungsort: man sagt, Hexer und Zauberer hätten die Dunkelheit der Nacht ausgenutzt, um ihre Pakte zu besiegeln. Dies endete mit der Opferung mehrerer Lamas, die mit Dornen der Guarango, Pfählen, Matecito und reichlich Coca-Blättern vergraben wurden. Seitdem vermutet man, dass dieser dunkle Ort anfangs "Malera" genannt wurde und der Name erst später in Malena geändert wurde, wie er auch heute bekannt ist. 

Aber ob Malera oder Malena, sicher ist, dass sich die archäologischen Fundstücke sorgfältig aufbewahrt im Museo Municipal in der Capilla de Asia befinden, wo sich des Weiteren Stoffstücke befinden, die im Rahmen der Kampagne "Adopte un Textil" (dt: "Adoptiere ein Textil") restauriert wurden. Das Museum wurde am 24. Juni 2001 eröffnet und ist seitdem gut besucht. 

Niemandsland
Asia ist nicht das gelobte Land. Es ist die Folge unzähliger Staubschichten, Zeiten und Morde, die den Lebenswillen forderten und stärkten. Blicken wir ins Jahr 1532 zurück, als das Valle de Asia von Francisco Ocxa regiert wurde, Kazike eines kleinen Dorfes, welches lange Trockenphasen überstand. 

Erbarmen mit diesem Dorf. Darum bittet ein Priester und erzählt bei einem Treffen mit seinen Vorgesetzten in Lima, "dass in dem kleinen Dorf Asia seit sieben Jahren der Fluss ohne Wasser ist und die Menschen mit ihrem Vieh und Pflanzen vor Durst sterben." Nur Tambo und die Hacienda Saramucha verfügten damals über Nahrungsmittel und Viehfutter, mit denen sie den Reisenden auf ihrem Weg entlang des Camino Real aushalfen. 

Es waren Zeiten, als man mit Eseln und Pferden die schwierigen Wege zugänglich machte, während erfahrene Straßenräuber mit Lanzen bewaffnet auf das Gold der Reisenden aus waren. 

Bereits zu Mitte der Zwanziger Jahre, während die Gemeindemitglieder sich auf den Hügeln im Aufstand befanden und versuchten, sich vom Bezirk Coayllo zu lösen, nutzte Don Raúl Asín die Panik, um einen großen Teil ihrer Gebiete einzunehmen. Die Gemeinde gab jedoch nicht auf und bemühte sich umso mehr, bis ihr im Jahr 1923 die Bezeichnung "Comunidad Campesina de Asia" zugesprochen wurde. Ein Erfolg, der etwas spät eintrat, da das Ministerio de Trabajo beschloss, die Hälfte des Tals Señor Asín und die andere Hälfte der Dorfgemeinschaft zuzusprechen. 

Die Geschichte endet hier jedoch nicht. Señor Asín verkaufte danach seine Länderein an Luis Pescheira und nachdem Juan Velasco Alvarado seine Agrarreform durchgesetzt hatte, wandelte er es in die Genossenschaft Asia Alta um. Als sich die Genossenschaft auflöste, wurden die Gebiete zwischen den ehemaligen Arbeitern aufgeteilt, die so zu etwas Grundbesitz kamen. Heute ist ein Teil der Gebiete an Millionäre verkauft und diejenigen, die einst die Herren waren, sind nun mehr bloße Angestellte. 

Das gleiche Schicksal ereilte den Fundo "El Platanal". Don Hilario Yaya versorgte das Gebiet mit Grundwasser, aber nach einigen Jahren bemächtigten sich seine Arbeiter des "El Platanals" und machten sich zu seinen Besitzern. Auch hier ist ein großer Teil des Gebiets an vermögende Leute verkauft worden, ebenso wie sich die Geschichte der Herren wiederholt hat, die zu Arbeitern wurden. 

Das Ungewöhnliche an dieser Sache ist allerdings, dass die ursprüngliche Gemeinde bei 30 Kilometern Strand nicht einmal ein Stückchen davon für ihre Mitglieder übrig hat. Mit viel Geld wurde das Gewissen in einem Gebiet erkauft, das von ein paar Führenden der Gemeinschaft geleitet wird. Die ersten Verkäufe sollten weitere Verkäufe mit anderen Kriterien zur Folge haben, ebenso kam es zu Verkäufen unter Gewaltanwendung. So entstanden die Clubs, die vom Kilometer 95 bis zum Kilometer 100 verlaufen: Las Arenas, Lobo Blanco, Chupikalla, Playa del Golf, Bora Bora, Playa del Sol, Playa Blanca, Flamencos, La Isla, Las Brisas, Mar Azul, Rinconada Beach, Cayma, Galápagos, Los Algarrobos, Las Palmas, Los Cocos, Kapala, Playa del Sol, Sol y Mar, Playa Bonita, Palabritas und las Gaviotas. Richtung Süden erstrecken sich die Anlagen mit Eigentumswohnungen bis Kilometer 117, wo der Bezirk Asia endet. 

So ist Asia, ein Bezirk, der in Gemeindemitglieder und Eigentümer unterteilt ist. Beide Seiten teilen jedoch die zerstörerischen Trockenzeiten, ebenso wie eine Geschichte, die sich wiederholt, ohne zum Ende gekommen zu sein. 

Arm und reich 
Mehr und mehr Villen entstehen an den Stränden von Asia und millionenschwerer Prunk und kostspielige Prahlerei nehmen kein Ende. Die Siedlungen in direkter Strandnähe sind in Strandclubs eingeteilt, die während des Jahres den Bewohnern von Asia und von weiter entfernten Gebieten Arbeit bieten. Ähnliche Arbeitsmöglichkeiten finden sich in den Truthahn- und Hühnerfarmen, eingebettet in die Schluchten Santa Rosa und Esquina de Asia. Männer und Frauen, von der Not gezeichnet, warten jedes Wochenende auf ihren Lohn, der zur Unterstützung ihrer Familien benötigt wird. 

Wer am meisten vom Wachstum in Asia profitiert, ist die Gemeindeverwaltung. Dorthin strömen an den Wochenenden die Besitzer der Fincas, um ihre Steuern zu bezahlen. War dieser Bezirk früher der wirtschaftlich ärmste, so ist er nun der mächtigste und einer der reichsten entlang der peruanischen Küste. 

Aber dieser Reichtum ist nicht zu vergleichen mit dem Reichtum der Artenvielfalt, auf die man auf der dazugehörigen Isla de Asia stößt. Pinguine, Pelikane, Ranken, Möwen, Reptilien sowie reichlich Dünger - dies alles wird mit großer Sorgfalt von ProIslas geschützt. Was nur wenige wissen, ist jedoch, dass Julio C. Tello vermerkte, dass man auf dieser Insel einen Gott namens Akat verehrte. Zu diesem Schluss kam er, nachdem er unter den Guano-Schichten Tempelüberreste, enthauptete Frauenleichen, zeremonielle Töpfereigegenstände und Gegenstände, die für dunkle Riten verwendet wurden, gefunden hatte. 

Ein Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft. Im Moment hat die Mehrzahl der Bewohner Schaufel und Sombreros niedergelegt und ihre Grundstücke verlassen, um auf das Wasser aus den Bergen zu warten. Es sind bereits fünf Jahre vergangen, ohne dass es in Asia geregnet hat, aber an dem Tag, an dem es regnet, wird es keinen Hunger und keine Müdigkeit mehr geben. Die Dornen in den Füßen und die Hände entzündet voller Blasen sind Teil der Wunder, welche dieses Gebiet mit einem einzigen Regenfall belohnt. 

Hier ist der Tauschhandel immer noch üblich und die Fischer des Tieflands und die Bauern des Hochlands bezahlen sich gegenseitig mit Fisch bzw. Früchten. Sogar bis zu den Höhen der Omas, Pilas, Tamará, Tauripampa, Ayavirí tauscht man Kartoffeln gegen Süßkartoffeln und gesalzenen Fisch gegen Käse. Einziger Unterschied ist, dass man die Lebensmittel früher mit Eseln transportierte und jetzt mit Lastwagen. 

Obwohl Asia ein trockenes Tal ist, gilt es dennoch für die Viehzüchter der Sierra als Speisekammer. Sie kommen herunter, um Wasser und Viehfutter zu bersorgen, da in jenen Höhen bereits alles aufgebraucht ist und die Küste ihnen als einziger Zufluchtsort bleibt. Die wachsende Zahl der Küstenbewohner mit ihrem millionenschweren Vermögen und die Menschen, die in den höher gelegenen Gebieten über großen Landbesitz verfügen, können dagegen die schweren Trockenzeiten ertragen. Eine Kluft, die mittels nachhaltiger Entwicklungsprojekte im Tourismus, in der Bewässerung, der Agrarindustrie und der Fischerei überwunden werden soll.

Asia
Laut Dokumenten aus der Kolonialzeit schrieb man den Namen des Bezirks damals Asiac (mit "c" am Wortende). Heute ist nur die Bezeichnung Asia bekannt. Wie Rommel Àngeles Falcón, Archäologe des Instituto Nacional de Cultura und Forscher der Ausgrabungsstätte Malena in Asia erklärt, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich der Name Asia daraus ergab, dass sich sehr nahe am Strand von Pasamayito auf Kilometer 105 der Panamericana Sur ein Tambo mit einer Lagune befand. Diese war dicht bewachsen war und versorgte die damaligen Bewohner mit Wasser. Durch die Vergärung der Wurzeln und Stiele der Pflanzen entstand ein unangenehmer Geruch und man gewöhnte, den Ausruf "asiac" als verbalen Ausdruck des Ekels, des Unangenehmen, des Gestanks und der Ablehnung zu verwenden. 

Laut Middendorf stammt die Bezeichnung Asia vom Begriff "Asya", der in Quechua ein Ausruf zur Arbeit ist. Es lässt sich mit "Auf geht's!" "Los!" übersetzen. Interpretiert man den Quechua-Namen Asia, der das Tal bezeichnet, so erläutert uns der Forscher …."dass man sich vorstellen könnte, der Name stamme von den Inca. Nach der Eroberung von Huarcu wanderten sie lange durch die sandigen Gebiete, bis sie in dieses Tal kamen. Sie waren überrascht, dort keine Hilfe und nicht einmal eine Menschenseele zu finden. Um die Truppen vorwärts zu bewegen, versuchten sie, diesen Hoffnung zu geben, indem sie ausriefen: "asya! Dass sich in der Zukunft das Opfer lohnen wird". 

Heimkehr
Ohne es zu wissen, befinde ich mich auf den Spuren meiner Vorfahren. Ich erinnere mich noch und mit Bedauern an meine Kindheit, als das El Niño-Phänomen von 1983 Machas und Fische an den Stränden Asias zurückließ. Wie könnte ich mich nicht daran erinnern, wie die Netze in Pasamayito in "V"- Form ausgelegt wurden und voll von Chitas und Tramboyos wieder eingeholt wurden. Die Nächte von Sarapampa waren voll von Toyos, Rayas und Guitarras. Tagsüber zogen Flösse Adlerfische, Seezungen, Stachelmakrelen und Lizas Richtung Meer. 

Auf den Feldern wuchsen von der Sonne beschienene Süßkartoffeln und riesenhaften Kürbisse von mehr als hundert Kilogramm. Zudem die Mazamorras aus hellem Mais und die Erdnusschicha. Sicher wird wohl niemand die Kilometer vergessen, die man morgens und mittags auf dem Weg zur Schule zurücklegte. Diese Zeiten, in denen wir barfuss liefen und auf einem staubigen Sportplatz mit einem Wäschekneul als Ball, Steinen als Tor und ohne Schiedsrichter und Regeln Fußball spielten. 

Erlebnisse, die man schwer vergessen kann. Die Zeiten haben sich geändert und auf in diesem Leben sind wir alle verpflichtet, unseren Weg zu gehen, gestern wie heute. Die Geschichte zu kennen ist von elementarer Bedeutung, da die Zukunft Asias stark von seiner Vergangenheit geprägt wird.


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