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CHRONIK DER REISE

So alt und doch so neu: eine Reise ins Zentrum von Lima 

Das Zentrum von Lima. Dort, wo über Jahrhunderte, Walzer das Zucken des bohemischen Herzens erzählt haben. Wo elegante Edelmänner und hochgeschlossene Damen am Ufer zwischen einem Fluss und den Bergen spazierten. Dort, wo berühmte, begrabene Knochen unter dem Schutz Gottes ruhen und wo Tausende ihre Knochen ließen, um ihr Recht auf Freiheit zu fordern. Wo manchmal das einzige Gesetz das von Taschendieben und Schlägern war. Stadt der Könige und auch Königinnen (der Nacht). Die letzte Zuflucht von Dichtern, die die Viertel voller Melancholie bevölkerten und das neue Abenteuer von Jungen, die eine Stadt entdecken, wo vorher nur ein Mythos bestand. Nostalgisch, müßig, imponierend und ausgebessert. Kolonial, marginal, elegant und gemischt. Faszinierend. Das Zentrum von Lima. 

Text: Iván Castro Marchán
Fotos: Jorge Godoy Merel


Acht Uhr morgens; die Sonne scheint gute Laune zu haben und lässt gerade sanfte Strahlen scheinen, genug um zu wärmen ohne zu ersticken. Eine Fahrt im combi (typischer, kleiner Bus im öffentlichen Nahverkehr), drei cuadras (Häuserblocks) zu Fuß und schon sind wir im Herzen der Hauptstadt, auf der Plaza Mayor. Einige laufen gähnend umher, während andere sich die erste Zigarette des Tages anzünden. Die Musik, die aus einigen Radios tönt, mischt sich mit dem Geräusch der Gitter, die hochgezogen werden, um das Geschäft zu öffnen. Auf den Balkonen werden Fenster geöffnet, um dem Leben Guten Morgen zu sagen, während wir uns zu unserem ersten Punkt unserer Tour begeben.

Ich fahre mit dem Zug
Vor zwei Jahren hat bei Beginn der Säuberungsarbeiten im Park "Alameda de San Francisco" eine Entdeckung den Namen und die Anlage des Platzes verändert. Heute, in den Parque de la Muralla umgewandelt, ist er mehr als einige gelbe Schaukeln dank der Funde eines Stückes der enormen Verteidigungsmauer, die im 17. Jahrhundert gebaut wurde, um Lima vor Piraten und Feinden der Krone zu schützen. Bereits restauriert ist es ein großer Anziehungspunkt für jeden, der den Ort besichtigt, wo sich das Monument zu Ehren Pizarros - früher auf der Palza Mayor - befindet, das die vorbeifahrenden Fahrzeuge beobachtet, während einige Tauben auf seinem Helm tänzeln.

Im Parque de la Muralla arbeitet Marcelino Loja Meza (51), der jeden Tag an der Avenida Universitaria in seinen combi springt, um hierher zu kommen, um sich dann in seinen Zug zu setzen. Denn seine Arbeit im Park ist es, einen kleinen Zug mit sechs Waggons aus Glasfasern für 48 Personen zu steuern, der durch den Park fährt, am Ufer des Rímac entlang und unter der Brücke Balta hindurch. Eine kleine, aber unterhaltsame Fahrt, "alle wollen mitfahren, wenn sie hier herkommen", erzählt uns Marcelino, bevor er eine neue Fahrt antritt. Natürlich fehlen auch die Verkäufer von Süßigkeiten, anticuchos (Fleischspieße) und butifarras (Würstchen) nicht, damit der Besucher den traditionellen Geschmack genießen kann, während er die Mauer beobachtet, die das alte Lima abriegelte (von daher der Name "Eingezäumt"). Um die Geschichte zu vervollständigen erzählt uns das dortige Museum über die Erbauung der Mauer und das Leben der limeños im 17. Jahrhundert.

So viel Geschichte macht immer hungrig und deshalb betreten wir zwei cuadras vom Park enfernt die Bar El Cordano. Sie hat komplett die Struktur einer alten Bar, denn sie ist schließlich schon 102 Jahre alt. Ein Sandwich mit Braten, eine der Spezialitäten, stillt unseren Hunger, während wir uns mit Odilón Lopez (58) unterhalten, die schon seit mehr als einem halben Jahrhundert die Gäste des El Cordano bedient. "Die Leute wissen, dass sie hier ein Weinchen trinken können oder wenn sie etwas Peruanisches mögen, einen Pisco Sour" erzählt sie uns beim Gläserspülen. Beim Ansehen der Wände sehen wir die Geschichte der Bar auf Fotos mit Fußballern, Politikern und anderen Persönlichkeiten, die den Ort eimal betreten haben und den wir zufrieden in Richtung Palacio verlassen.

Halboffene Türen 
Zwei präsidentale Kutschen - aus dem 18. und 19. Jahrhundert - heißen uns willkommen; während wir mit einer durch die Umgebung angenommenen Feierlichkeit umherwandern, stellen wir uns all das vor, was an diesem zugleich respektvollen, ausgepeitschten, verleugneten und gesegneten Ort alles passiert ist.

Es wird viel von der Schönheit des Regierungspalastes (Palacio de Gobierno) gesprochen. Von der Halle der verlorenen Schritte, vom Goldenen Saal und seinem dem Versailler Schloss ähnlichen Stil. Aber für uns liegt die wahre Begeisterung des Pizarrohauses in dem, was man nicht sieht und der Geschichte, die durch die halboffenen Türen strömt, die irgendein Sicherheitsmann sich schnell zu schließenbeeilt , als er unsere neugierigen Blicke bemerkt. 

Das Kurioseste des Rundgangs war zweifelsohne jener Raum, der komplett verdunkelt war. "hier wird ein Kinosaal eingerichtet" sagte uns unsere Führerin mit einem Lächeln zwischen Komplizin und selbst Überraschte.

Und auch wenn die geführten Besichtigungen des Regierungspalastes im Moment streng begrenzt sind, so versichert uns Sheila Cuadros - Beauftragte der historischen und touristischen Erforschung - , dass in Kürze alle eine kleine Tour durch das wichtigste Haus des Landes machen können.


Das Alte, das Neue, das Sehenswürdige
Den Wachwechsel beobachtend verlassen wir den Palast. Es ist Mittag und die Plaza Mayor erlebt ihren Höhepunkt: Hunderte von Personen laufen umher, einige fotografieren, andere geben den Tauben zu essen. Zwischen den vielfältigen Möglichkeiten für ein Mittagessen, wählen wir La Posada del Marqués, genau gegenüber des Regierungspalastes. Drinnen bedienen uns junge Mädchen mit den typischen Kleidern des Hochlandes. Da bemerken wir beim Hinausschauen, wie sehenswürdig dieser junge Teil des Zentrums von Lima ist. Ein Spaziergang durch die Straßen würde unsere Theorie bestätigen.

Peruanisch, sehr peruanisch, geht es uns durch den Kopf. Wo sonst findet man solch schöne Gebäude, die statt Museen zu sein, lebendige Zeugen der Geschichte sind und als Raum für die modernsten Geschäfte dienen: Internetcafes, Druckereien, Homepage-Designs und DVD-Verkauf.

Das Zentrum von Lima ist heute vor allem ein komprimiertes Zeugnis unserer Realität. An keinem anderen Ort können wir das Leben der Hauptstadt in Form von Menschen, Orten und Blicken beobachten. Die Vergangenheit der Calle de los Comerciantes, des Jirón de la Unión und der Bar Queirolo, wo angelblich einige Schriftsteller der 50er noch immer sitzen und von der Bohème träumen, und die Präsenz von jungen Menschen, die umherlaufen, arbeiten und feiern und so dem alten Lima einen Hauch von Moderne geben. So das Hotel Bolívar, aber auch die Megakinos UVK daneben. Die sonnigen Aristokraten und die Internetcafes unter ihnen. Das Zentrum von Lima ist nicht nur alt, sondern auch modern. Es ist alles in einer Stadtansicht vermischt, aus einigen Perspektiven schön.

Unmöglich alles an einem Tag kennenzulernen, noch weniger an einem einzigen Morgen. Die Einladung steht auf jeden Fall. Auf geht's, lieber Leser, wenn Ihnen das Zentrum von Lima noch auf der anderen Seite der Welt erscheint. Denn es lohnt sich!

Anmerkung:
Diese Chronik wurde wegen der Tour unternommen, die PromPerú im Rahmen seiner Tourismuskampagnie für alle im Zentrum Limas ausgarbeitet hat. Besagtes Programm versucht, den internen und günstigen Tourismus bei den Einwohnern anzuregen. 


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