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DAS SCHLOSS VON UNANUE

Als Hipólito Unanue an der "Universidad de San Marcos" Medizin studierte, wohnte er im Haus der Familie Lándáburu-Belzunce, Besitzerin mehrerer Landgüter im Tal von Guarco: "Isque de Gómez", "Pepián", "Cerro Blanco" und "San Juan de Arona". Ohne Zweifel eine der reichsten Familien Perus der damaligen Zeit und Eltern eines jungen Mannes, den sie auf den Namen Agustín Hipólito de Landáburu Belzunce getauft hatten.

Text: Iván Reyna Ramos
Übersetzung aus dem Spanischen: Veronika Schanderl


Wir befinden uns in den Zeiten nach der Unabhängigkeit der Vereinten Staaten von Amerika und nach der Französischen Revolution, als Agustín de Landáburu beschließt, das Vizekönigtum Peru abzutreten um für die Unabhängigkeit der spanischen Kolonien in Amerika zu kämpfen. Bevor er am 20. Dezember 1799 nach Europa aufbrach, machte er sein Testament, indem er sein gesamtes Vermögen drei Personen überließ: seinem Onkel Juan José Belzunce; seinem besten Freund Hipólito Unanu; und Matias Larreta. In Übereinstimmung mit der Klausel XV seines Testamentes bestimmte er den ersten als Haupterben, falls dieser jedoch vor dem Testamentsteller versterben sollte, würden der zweit- und der drittgenannte je die Hälfte seines Vermögen erben. Und da sowohl der Haupterbe Juan José Belzunce, als auch Matías Larreta vor Agustín de Landáburu verstarben, blieb Hipólito Unanue begünstigt durch die Hälfte der Vermögen.

Die andere Hälfte wurde mit dem Ziel, die zusammengekommenen Schulden und Verpflichtungen zu decken, in einer öffentlichen Versteigerung verkauft. Diese Versteigerung hatte als einzigen Bieter Herrn Juan Salvedar, der erklärte, er erwerbe das Vermögen im Namen von Hipólito Unanue. So dass schließlich das gesamte Vermögen in der Verantwortung des Weisen verblieb.

Im Jahre 1801 begann Hipólito Unanue, das Vermögen, das ihm sein inniger Freund Agustín vermacht hatte, persönlich zu verwalten und in 1817 nahm er die in der Versteigerung erworbenen Landgüter "Isque de Gómez", "Pepían" und "Cerro Blanco" in Besitz.

1826 begab sich der erlauchte Arzt und Persönlichkeit der Unabhängigkeit nach Cañete, um dort zu leben, und Jahre später beschloss er, auf Grund einer Blindheitserkrankung, die ihn nach Lima führte, das Tal zu verlassen. Am 15. Juli 1833 verstarb er im Alter von 78 Jahren. Seine Reste ruhen momentan im "Panteón de los Próceres".

Mit dem Tod von Hipólito Unanue wurde auf Antrag seines Schwiegersohnes Francisco de la Mata Linares die extra-richterliche Verfügung bekannt, in der in Bezug auf das Landgut "Isque de Gómez" steht, dass der Weise es als Vermächtnis seinem jüngeren Sohn José bei dessen Erlangung der Volljährigkeit überlasse.

Doch José Unanue beschließt, zuerst seine erste Reise nach Europa in Angriff zu nehmen und verliebt sich dort zutiefst in ein majestätisches gotisches Schloss, das neben dem Rhein Deutschlands gelegen beeindruckensvoll zur Geltung kommt. Der Fluss Rhein (Rin, Rhin oder Rijn), den die Deutschen "Vater Rhein" nennen, fließt mit seinen 1.300 Kilometern Länge von seiner Quelle im alpinen Gebirgsmassiv von San Gotthard bis zu seiner Einmündung in die Nordsee, wobei sein Weg geschmückt ist mit um die 70 alt ehrwürdigen Palästen und unzähligen Schlössern.

Ab dem IX. Jahrhundert begannen die mächtigen Leute, die Landschaft Europas mit Schlössern zu pflastern, wobei zu Beginn Entwurf und Konstruktion noch recht einfach waren, sich mit der Zeit aber in Felsenfestungen wandelten. So sehr wurde gebaut, dass eine in Frankreich in 1905 realisierte Erhebung allein in diesem Land mehr als 10.000 Schlösserreste verbuchte.

Damals zögerte sich der Bau eines Schlosses über ein, zwei oder drei Generationen hinaus; bis zu 20 Jahre konnten mit seiner Konstruktion vergehen.

Alle Schlösser besaßen Untergeschoße und Tunnel. Die Verliese dienten zugleich als Kerker wie als Lagerräume für Lebensmittel. Über ihnen befanden sich große, gewölbte Säale, die den Feudalherren und den Seinen, der Dienerschaft und den Gästen Unterschlupf boten. Dabei gab es besondere Säale um Anhörungen zu gewähren und um Recht zu sprechen. Während der großen Festessen traten Minnensänger auf, also Spielmänner, die Musik machten, Männer-Abenteuer erzählten oder Liebeslieder sangen.

Am 8. März 1843 begann Don José Unanue endgültig, die Länder seines Vaters zu verwalten, die er in einem einzigen vereinte: "Isque de Gómez", "Pepián" und "Cerro Blanco" verwandelten sich in das enorme Landgut "Hacienda Unanue".

Land, das zweitausend Jahre vor Christus nicht die gleichen aktuellen Konditionen aufwies wie heute. Land, das die Basis des ehemaligen Laufes des Flusses Cañete bildet. Land, das in ihren Tiefen eine große Anzahl an feinem Sand, Steinen, Kies, gerundeten Kieselsteinen und eine kleine Schicht Ton enthüllt. Durch den Rückzug des Flusses in sein heutiges Flussbett bildeten sich kleine Stauseen und Pfützen und mittels rustikalen Drenage-Systemen formte man kleine Anbaufelder. Heute ein wunderbares Land.

Besitzer und Herr seiner Eigentümer, ordnete José Unanue an, das Landhaus abzureissen, das seinen Vorfahren wie seiner eigenen Familie zur Erholung gedient hatte und das auf dem selben kunstvollem Prä-Inka-Huaca errichtet war, der heute als Boden des Schlosses von Unanue dient.

Und während sich das dunkelviolette Familienanwesen in den unvermeidbaren Staub der Zerstörungen verwandelte, hörte José Unanue nie auf, an die große Villa zu denken, die er in Deutschland gesehen hatte. So verreiste der junge José, absolut entschlossen, große Teile des Schlosses zu kaufen, so dass er keine Zeit verliere, es zu zerlegen und im Schiff nach Peru zu schaffen. Zusammen mit dem Wein eines italienischen Architekten. Es waren viele Stücke, wie das Puzzle, das sie zerlegen mussten und es hatte wohl einige tausend Goldpesos gekostet, was in dieser Zeit in etwa einer Million Dollar entsprach.

Der Wiederaufbau des Schlossen begann Ende 1843 und wurde um 1900 abgeschlossen. Ewige Geduld des Don José, in der unerschütterlichen Erinnerung an seinen Vater seinen Traum, die luxuriöste Residenz der peruanischen Küste zu bauen, wahr werden zu lassen.

Man weiß, dass die kirchenähnlichen Fenster, die Marmole und die Eisen- und Bronzegitter aus der italiensichen Stadt Carrara stammen und das Gebäude die mozarabische Architektur mit gotischem Stil vereint.

Genauso, wie sich das Schloss in Deutschland über dem Rhein erhob, so erhebt es sich heute in Peru über dem Fluss Cañete.

Das Landgut von Don José Unanue, auf dem Zuckerrohr angebaut wurde, war ein wunderschönes Grundstück von 900 Einheiten, das von einer Dampfeisenbahn durchzogen mit seinen Büros kommunizierte.

Eine pikante Erzählung des Traditionalisten Ricardo Palma sagt, dass ... "sich die Alten von Cañete einer männliche Figur erinnern, auf dem anmutigsten Fohlen des Tales über die Wege reitend... Es ist Don José! Es ist José Unanue! sagten die Bewohner von Cañete, dem reichen Mann, der stattlich vorrückt um die Siedlungen zu besuchen, respektvoll Platz machend".

Trotz seiner Nähe zu Lima und der bemerkenswerten Geschichte, die es besitzt, kennen nur sehr wenige Leute der Hauptstadt diese wunderschöne republikanische Villa, dessen Wände in rechteckiger und in den Höhen in karierter Form bemalt sind, während die Farbtöne der Stoffe verschieden und in blassen Farben gehalten und lediglich der Gips, der Kalk, das Schilfrohr und das Rinderleder aus der Region Cañete stammende Materialien sind.

Von all den Landhäusern ist keines so seltsam wie dieses Schloss. Ein Schloss, das nicht zu der Landschaft von Cañete gehört, ein fremder Ort, von der Fantasie transportiert, in jenen Zeiten unmöglich zu bewohnen.

Der monumentale Palast befindet sich auf Höhe des Kilometers 146 der Panamericana Sur. Eineinhalb Stunden von Lima und lediglich 30 Minuten von San Vicente de Cañete entfernt. Und nimmt ein Gebiet von 13.489,70 m2 in Anspruch. Auf Grund seiner Konstruktion ist das Haus das einzige seiner Art in Südamerika, sehr viel besser als das, das der Herrscher Pedro IV von Brasilien nahe Río de Janeiro besaß und mit dem es gewisse Ähnlichkeit aufweist.

Das Schloss von Unanue bedeckt die volle Ausdehnung der ehemaligen Huaca, die durch Tunnel und unterirdische Zimmer, die als Gefängnis, zur Folter und zum Verbrechen dienten, entweiht wurde. Ebenfalls wurden diese dazu genutzt, sich zu versteckenm um vor Seeräubern oder Banditen zu fliehen und um geheime Verliese zu kommunizieren.

Allein schon mit dem Hinabsteigen in die Tiefen tritt man in Kontakt mit dem Mysterium der Grausamkeit und der Angst, den Gefängniszellen ohne Frischluft oder Licht, der Tunnel, älter als das Schloss, Spuren, die die Qual derer beweisen, die in ihren letzten Stunden im Sterben liegen.

Die Tunnel und Gefängniszellen, die unter dem Schloss von Unanue existieren, wurden zudem im Jahre 1924 als erstes Gefängnis in Cañete verwendet. Da sie ihre Besitztümer zurückgefordert hatten, wurden an die hundert Mitglieder der Eingeborenengemeinde des Grundstückes Cochahuasí, alles Männer, in die unterirdischen Bereiche des Schlosses eingesperrt, niemals mehr wurde von ihnen gehört, sie kamen nicht mit dem Leben davon.

Laut der mündlichen Überlieferung von Cañete besitzt das Schloss drei Tunnel. Einen, der es mit der drei Kilometer entfernten "Hacienda Montalbán" verbindet. Ein weiterer führt zu der fünf Kilometer entfernten "Hacienda Arona" und von dort aus bis zum zehn Kilometer weiten Hafen "Cerro Azul". Der dritte Tunnel soll einen Ausgang am Strand von Cochahuasí haben, drei Kilometer entfernt. Unterirdische Wege, die scharfsinnigen Ausbrechern zur Flucht gedient haben sollen, sich in der Dunkelheit verlierend, Komplize einer schmierigen Gasse, was bis jetzt jedoch nur eine perfekte Chronik der regionalen Legende ist.

Auf Grund seiner ganz besonderen Konstruktion erklärte es die Militärjunta der Regierung mit Vorsitz des Generals Juan Velasco Alvarado am 28. Dezember 1972 als Zeuge des ehemaligen, in das Tal von Cañete eingefügten Wohlstandes in Peru, durch die Resolución Suprema 2900 zum "Monumento Histórico Nacional" (Nationales Geschichtsmonument).

Schloss ohne Besitzer, Türme ohne Abgründe, Keller, die die Grausamkeit und die Angst verbergen, von Fledermäusen durchquerte Tunnel - autenthische Geschichte eines fernen Ortes Südamerikas.

      

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