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DER "SEÑOR DE LOS TEMBLORES": DIE KARWOCHE IN CUSCO
Der rührendste (und auch bekannteste) Teil der Karwochenfeierlichkeiten in Cusco findet am dem Karfreitag vorangehenden Montag statt, an dem das wichtigste religiöse Symbol der Region, der "Señor de los Temblores" (Herr der Erdbeben), aus der Kathedrale und durch die Straßen getragen wird. Dabei
wird die lebensgroße, dunkelhäutige, und deswegen auch als "Schwarzer Christus" bekannte Ikone auf seinem mächtigen Silberpodest in Fußmärschen durch das historische Stadtzentrum geleitet. Die Prozession erreicht ihren Höhepunkt in einer emotionalen Verabschiedung durch die auf der Plaza de Armas versammelte Menge, bei der die Christusstatue von den ohrenbetäubenden Sirenen der Freiwilligen Feuerwehr begleitet in die Basilika zurückkehrt.
Text: Stephen Light
Übersetzung aus dem Spanischen: Veronika Schanderl
Tausende von Fremden finden sich zur Karwoche in Cusco ein, von denen viele aus den entferntesten Dörfern der Region zu Fuß anreisen. Viele kommen, um an der am Ostermontag vor Tagesanbruch auf Quechua gehaltenen Messe teilzunehmen, andere, um die typischen Gerichte zu genießen, die in den engen Straßen um den Hauptplatz herum zubereitet und serviert werden. Aber die große Mehrheit kommt wegen der Prozession des "Señor de los Temblores".
Im Takt des bekümmerten Klangs der Glocke María Angola verlässt der "Señor de los Temblores" auf den Schultern der Gläubigen die Basilika. Die mit Gold und hübschen Steinen geschmückte Heiligenfigur erscheint gegen vier Uhr nachmittags am Montag der Karwoche vor den Portalen der Kathedrale, um durch das "Portal de Panes" und die Straße "Plateros" zur Kirche "Santa Teresa" getragen zu werden, von wo aus sie durch die Straßen "Heladeros", "La Merced" und "Mantas" zur Plaza de Armas zurückkehrt.
Während der dreistündigen Prozession wird das Christusabbild von zivilen und militären Persönlichkeiten der Stadt, Repreäsentanten öffentlicher und privater Institutionen, religiösen Ordensvertretern, "Varayocs" (Dorfkaziken) und einfachen Gläubigen begleitet. Die ganze Route entlang sind die Balkone der Häuser mit Körben roter Blumen verziert, die in Quechua unter dem Namen "ñuqchu" bekannt sind und aus den Händen der Gläubigen auf den Christus herabregnen.
Etwa um sieben Uhr abends, während sich die Prozession nähert, kommen auf dem Hauptplatz und den zehn Zugangsstraßen tausende Personen zu einer bewegenden und stillen Verabschiedung des "Schwarzen Christus" zusammen, der sich daraufhin aufs Neue in der Kathedrale ausruhen wird. Bis zum nächsten Jahr.
Das Erdbeben von Cusco vom 31. März 1650
"Cusco, wie ich Dich gestern sah und Dich heute sehe
- wie soll ich da nicht weinen?"
(Gil González Dávila, Zeuge des Erdbebens von 1650)
Man sagte, dass in Cusco die Erdbeben nur alle 300 Jahre auftreten, bis die Stadt im Jahre 1986 von einem gewaltigen Erdbeben erschüttert wurde.
Gemäß der Legende zerstörte zu Beginn der Herrschaft des Inka Cusi Yupanqui, Nachfolger des Inka Viracocha, ein kräftiges Erdbeben nicht nur große Teile der Stadt, sondern hatte auch weite Auswirkungen auf die ganze Region. Der junge Herrscher entschied, die Stadt als große Hauptstadt des Imperiums wieder aufzubauen, geschmückt mit den feinsten Tempeln und Palästen, die so entworfen werden sollten, dass sie Erdbeben aushielten. Seitdem kannte man den Inkaherrscher unter dem Namen Pachacútec, "Der die Welt erschütterte" auf Quechua.
Höchstwahrscheinlich fand dieses Erdbeben Mitte des XV. Jahrhunderts statt. Die zwei nächsten Erdbeben hoher Werte auf der Richterskala, die Cusco verwüsteten, ereigneten sich am 31. März 1650 und am 21. Mai 1650.
Die Verehrung des "Señor de los Temblores", auch bekannt als "Tayta Temblores", begründet sich im Jahre 1650. Wie man sagt, reichte alleine das Auf-die-Straße-Herausziehen der Christusnachbildung - die der Stadt im vorangegangenen Jahrhundert von Carlos V. von Spanien geschenkt worden war - um die Reihe an Erschütterungen zum Stillstand zu bringen, die große Teile der Stadt zerstört hatten.
Die Kathedrale selbst rettete sich fast unverletzt aus der Zerstörung und auch das Mauerwerk der Stadt überlebte unberührt. Die Häuser der Spanier allerdings, sowie die Kirchen "Santo Domingo", "San Augustín", "La Compañía", "La Merced" und "Belén" wurden komlett zerstört. |