EUKALYPTUS KANN MAN NICHT ESSEN
Land ist Macht und es ist kein Zufall, dass tausende von Menschen keinen Zugang zu ihm haben. Seit wir heute morgen aufgestanden sind, benützen wir Produkte, die aus dem Land hervorkommen: die Tücher unserer Betten, das Gebwebe unserer Kleidung, die Cerealien, die es zum Frühstück gab, die Maistortillas mit Fleisch (Wovon ernähren sich die Kühe?), die wir aßen, das Leder der Schuhe, die wir tragen.
Text: Carlos Miguélez, Journalist der Zeitschrift "Solidarios"
Übersetzung aus dem Spanischen: Veronika Schanderl
Diese deutliche Offensichtlichkeit erklärt die Verbindung zwischen der weltweiten Verteilung von Land und der des Reichtums. Jacques Diouf, Geschäftsführer der FAO, erklärt, dass, wenn man ein Foto "der Armut" machen könnte, wir eine Bauernfamilie ohne Land sähen.
"Diese Männer und Frauen sind die Ärmsten der Armen in der Welt", so Diouf. Und aus dieser Realität ergibt sich die Notwendigkeit, Minister verschiedener Länder, seine Delegierten, die wissenschaftliche Gemeinschaft, die Organisationen der Zivilgesellschaft und Nichtregierungsorganisationen in der "Internationalen Konferenz zum Thema Agrarreform und Landentwicklung" zu vereinen. Das Ziel dieser war, einen "Fahrplan" zu erstellen, um die Landarmut in der Welt abzuschaffen.
Ohne diese Reform werde es unmöglich sein, die demographische Explosion zum Stillstand zu bringen, welche massive Landflucht, Überbevölkerung der Städte, ökologisches Chaos, Kriminalität, sowie Wachstum des Elends in den Städten nach sich zieht. Drei Viertel der Armen der Welt leben in ländlichen Gebieten und hängen für ihr Überleben vom Land ab. Ein Verlust dieses Landes entwurzelt diese, womit sie sich letztendlich durch den Verlust ihrer Rechte und die Missbräuche in einer noch verletzlicheren Situation befinden.
Die Bemühungen in den Agrarbereichen als Utopien zu bezeichnen bedeutet, zu ignorieren, dass alles zum Scheitern verurteilt ist, wenn die Bauern und ihre Gemeinden nicht an den Entscheidungen teilhaben, die sie betreffen. Heute handelt es sich um eine Reform, die nicht nur deswegen möglich ist, weil sie notwendig ist, sondern auch wegen des Erfolges, den in den letzten Jahren bereits viele Programme in einigen Ländern des Südens hatten.
Laut den Zahlen der Weltbank verringerte sich während der letzten Jahre die extreme Armut in Mexiko um 18%. Neben dem bereits bekannten Erfolg der von den in die USA emegrierten Mexikanern gesendeten "Remesas" (Geldüberweisungen), ist dieser Erfolg auch für die Reduzierung der Landarmut zwischen den Jahren 2000 und 2004 verantwortlich, in denen diese von 42% der Bevölkerung auf 28% sank.
Dies war auch dank einiger Regierungsprogamme möglich, die den allerärmsten Familien Stipendien und Kredite geben, um ihnen dadurch Zugang zu Schulmaterial, Ernährung und grundsätzlicher Gesundheit zu ermöglichen. Viele dieser Familien spenden freiwillig einen Teil des Geldes, das sie durch die "Remesas" aus dem Ausland erhalten, um in den Bau von Krankenhäusern, Schulen, Straßen und anderer Infrastruktur in ihren Gemeinden zu investieren.
Brasilien auf der anderen Seite verteilt seit 20 Jahren Land um. Allein in den letzten zehn Jahren erhielten 600.000 Familien ländliche Grundstücke. Zudem wurden den Kleinbauern der Zugang zu Krediten ermöglicht, sowie technische Unterstützung, Formung und Ausbildung. Doch Lula weiß, dass es auf Grund verschiedener nationaler wie multinationaler Interessen schwierig sein wird, den noch fehlenden vier Millionen Landfamilien, die noch kein Land besitzen, ebenfalls welches zuzuteilen. Dieser Zustand belastet nicht nur Brasilien, sondern auch viele andere Länder, in denen die Eukalyptusplantagen für die Herstellung von Papier wichtiger sind als die Nahrungssicherheit in den Dörfern, um nur ein Beispiel zu nennen.
Wenn die Regierungen den multinationalen Unternehmen abgeben, was ihnen an Souveränität bleibt, so werden wir nicht sagen können, dass wir es nicht vorhergesehen haben, dass außer Kontrolle geratene Migrationsströme in das "gelobte Land" Nordamerikas und Europas kommen - oder gehen.
Jenseits des wirtschaftlichen Gutes, das "Land" darstellt, bedeutet es für viele Indianervölker die Basis ihrer Identität; es ist ihr Daheim und das ihrer Vorfahren, Ort ihrer Entwicklung, ihrer Arbeit und Erholung. Wenn wir über Menschen ohne Land sprechen, reden wir über Leute ohne Vergangenheit, ohne Gegenwart und ohne Zukunft.
So reicht es also nicht, Land umzuverteilen. Statt dessen müsste man die Regeln des internationales Handels ändern. In diesem Sinne schlug die letzte, in Hong Kong abgehaltene "Runde von Doha" einen Aufschub für die Erfüllung der Verpflichtungen vor, um die "Milleniums-Ziele" zu erreichen.
Letztendlich ist es auch Aufgabe der Zivilgesellschaft, den Verlust der Souveränität ihrer Regierungen an die Öffentlichkeit zu bringen und sie dazu aufzufordern, für das Wohl ihrer Bevölkerung zu segeln. Das heißt, dass diese eine gerechtere Verteilung des Landes fördern sollten, damit die Menschen darauf in Würde leben können. |