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Auf der heiligen Straße von Lercanlech
Die peruanischen Anden, die zum Pazifik hin abfallen, sind von unzähligen Flüssen durchzogen. Einer dieser ist der Lercanlech im Department Lambayeque, was in der Sprache Muchik oder Mochica "Haupttal" bedeutet. Dieser Fluss, verspanischt zu "La Leche", formt ein legendäres Tal, das die Quechuagemeinde der Incawasi und den Rückzug des wilden Lebens von Laquipampa und die Pyramiden der Sicánkultur integriert, die in enger Verbindung zum Meer und den Inseln Lobos de Tierra stehen. Kommen Sie mit auf eine imaginäre Reise durch das alte und faszinierende Territorium der Moche.
Text: Fernando Angulo Pratolongo
Fotos: Walter Hupiú
Die Berge des Incawasi tauchen in Farbe. Es ist das Taqui- Fest und Hunderte von Dorfbewohnern der verschiedenen Bauernhöfe treffen sich zu einer Feier, bei der jeder Bewohner seine Abstammung durch die Farben seines Ponchos zeigt. Dieser Wettbewerb aus Tänzen und Schauspiel, die aus den Legenden stammen und nachgespielt werden, ist komlett auf Quechua, der Sprache, die die Incawasi-Bewohner sturr aufrecht erhalten.
In den Höhen des Incawasi erheben sich Berge, aus denen das Wasser des Lercanlech stammt. Dort erstrecken sich Lagunen auf über 3800 Meter, übersät mit Waldresten, in denen sich das reine Wasser sammelt, das die tiefer liegende Gebiete mit Leben füllt. Die Wälder in diesen Höhen sind noch unerforschte Territorien, in denen es noch viel zu entdecken gibt.
Der Herpetologe (Kriechtierkundler) Pablo Venegas von der Asociación Cracidae Perú, der auf der "Expedition Laquipampa 2006" einen für die Wissenschaft neuen Frosch, aus der Familie der Eleutherodactylus entdeckte, der bald auf den Namen der Spezie der laquipampensis (zu Ehren seines Entdeckungsortes) getauft werden wird, gibt an, dass "man vermutet, dass es in den Wäldern der Hochebenen des Lercanlech-Tals noch viele unbekannte Amphibienarten gibt".
Auf der anderen Seite der Gipfel Richtung Osten befindet sich Kañaris, ein Dorf mit Bewohnern in bunten Trachten, in dem man ebenfalls Quechua spricht. Wenn man der Furche des Tals folgt, fällt der Lercanlech, erreicht die weiten Wälder und lässt die Zonen mit niedriger Vegetation, Punagrass und Kälte hinter sich und kommt zu den Territorien mit anderer Luft, wo sich die Kleidung, die Bräuche, die Landschaften, die Fauna und die Feldwirtschaft ändern...
Pampas und Puten
Der Fluss kreuzt die Hügel, bis er einen Ort erreicht, der von Namen mit Pampa nur so wimmelt: Ullurpampa, Riopampa, Lanchipampa, Cochapampa, Shangapampa, Tallapampa, Atumpampa, Tolospampa, Chacuapampa, Oxapampa und Laquipampa. Und genau der letzte ist ein besonderer Ort am Flusslauf. In Laquipampa (oder "pampa de las penas" - Pampa des Kummers) verläuft das Leben ruhig. Nach den trockenen Bergwäldern ist die Vogelvielfalt beeindruckend. In den Baumwipfeln und Ästen wuselt es ohne Unterlass von mehr als 160 Arten, unter denen die seltene Wilde Taube (das Symbol dieser Gegend) heraussticht, ein Vogel, der noch einfach zu beobachten ist. In den feuchten Wäldern, auf mehr als 1400 Metern Höhe kann man nicht die Wilde Taube, sondern die Wanderpute beobachten. In dieser Landschaft spaziert auch der Brillenbär ohne Furcht umher und zeigt seine Jungen, wie man eine achupalla (eine Art Ananas) öffnet, um das saftige Innere zu fressen.
Sicán und die Vögel
Dem Flusstal folgend, gelangen wir in die grüne Oasis, wo die Johannisbrotbäume die Landschaft beherrschen, geschützt von Kröten und faiques. Hier spüren wir, wie die Geschichte mit den Pyramiden Sicán, und die Natur mit ihren Wäldern mit verschiedenen Vögeln wie dem Graubrust-Pflanzenmäher, dem Rötelschopftyrann und der bandurria, harmonisch miteinander verschmilzen.
Wenn es regnet, durchquert der Lercanlech, voll von Leben, den Osten bis in den Westen und füllt die Wälder der weiten lambayecanischen Ebenen mit saftigem Grün. Die Pyramiden, feierlich, sehn ihn vorbeiziehen und danken ihm, dass er das Gesicht der Landschaft verändert, früher und heute. In dieser Gegend erblühte die tausendjährige Kultur Sicán, reich an Gold, die eine spezielle Verbindung zur Fauna, insbesondere zu den Vögeln hatte, die perfekt in den Keramiken, Masken, tumis und Wandmalereien der heiligen Tempel repräsentiert wurden, die das uralte Echo des Gründungsmythos der ersten Königsdynastie in Lambayeca, der Naymlap, sind.
Von hier aus kann man den heiligen Berg Chaparrí (von den Schamanen des Geschlechts der Muchik) und die Pampas gleichen Namens sehen, eine der größten Anbaugebiete der Neuen Welt, nach der Eroberung Sicáns, mit mehr als 10 Mill. Hektar von Feldern, Kanälen, Dämmen, Tempeln und Dörfern, welche durch die Gemeindeordnung der Provinz Ferreñafe zur "Kultur- und Naturschutzzone" erklärt wurde.
Bei den Iguanas
Nachdem er die Ebene genässt hat, beginnt der Lercanlech seine Strecke in Richtung Wüste, wo wir ein Gebiet, das von Kröten und Johannisbrotbäumen überquillt, durchqueren, in der Nähe von Murrup ("Leguan" in muchik), heute bekannt als Mórrope. Dort wird noch immer in kleinen Parzellen die ursprüngliche peruanische Baumwolle in einer breiten, schönen Farbpalette in hellen Farben, braun, blassgelb, graubraun, hellrosa, cremefarben, hell, dunkel und einfachem weiß kultiviert.
In dieser Wüste verliert der Lercanlech sein Wasser, das nicht bis zum Meer reicht, weil er ein austrocknender Fluss ist. Während der intensiven Regenfälle durch das Phänomen El Niño vereint der Lercanlech seine Kräfte mit den Flüssen Motupe, Salas, Olmos und Cascajal, um gemeinsam die Lagune "La Niña" zu bilden, zusammen mit den Armen des Virrilá und den Lagunen Ramón und Ñapique.
Buchten und Meer
Die Reise von den kalten Gipfeln des Tals des La Leche bringt uns zweifelsohne an den Ozean, genauer gesagt an die Bucht von San José und die Inseln Lobos de Tierra und Lobos de Afuera. In San José bereiten tausende von Fischern ihre Boote vor, um die Früchte des Meeres auf der gleichen Strecke einholen zu gehen, über die Naymlap kam. In den Gesichtern dieser Ansässigen der Bucht kann man noch ohne Zweifel die Gesichtszüge der Moche-Kultur erkennen. Das große Strandband im Norden der Bucht endet in den Bergen Illescas und bildet so den längsten Strand Perus, genau gegenüber dieser zwei Inseln von unglaublichem Meeresreichtum und szenischer Schönheit. Von diesen ist die Insel Lobos de Tierra mit den Beerdigungen der Elite der Sicán- oder Lambayeque-Kultur verbunden, da die Gräber und Pyramidentempel vom Festland aus direkt auf die Insel blicken. Außerdem kam über das Meer ein charismatischer und weiser Mann, der bei seinem Tod die Unsterblichkeit erlangte, indem er sich in den gelobten Gott Naymlap ("Vogel des Wassers") verwandelte, der für immer die lambayecanische Kultur zeichnen sollte.
Das Wasser, das diese Inseln umspült, ist überfüllt mit großzügigen Fächermuschelbänken, großen Seeschnecken, Oktopussen und Zackenbarschen, während auf den Inseln selbst eine wichtige Kolonie von Nazcatölpeln, die erst kürzlich von den Forschern Marcelo Stucchi und Judith Figueroa entdeckt wurden, nistet.
Kette von Attraktionen
Das Tal des Lercanlech stellt eine neues und interessantes Touristikangebot im Department Lambayeque dar. Das Angebot und der Mix aus Attraktionen, sowohl kultureller als auch naturbezogener Art lassen die Idee aufkommen, für seine Umsetzung Werbung zu betreiben. Die Akademikerin Armandina Cayotopa Martínez, Tourismus- und Kunsthandwerk-Direktorin der Regionalregierung von Lambayeque erwähnt folgendes: "Die heilige Straße von Lercanlech ist langfristig für den Tourismus geeignet, aber zunächst muss an dem Ausbau der Nachhaltigkeit gearbeitet werden, der notwendigerweise durch eine angemessene Infrastruktur vorbereitet wird.
Im Zusammenhang mit dem Durchgang des Lercanlech ist es wichtig die Erhaltung der natürlichen Spezien zu erhalten, und schon beim Aufbau der touristischen Attraktionen und Teilen der Strecke ist es notwendig, sich für seine Integrität langfristig einzusetzen. Das historische Heiligtum des Bosque des Pómac und das Refugio de Vida Silvestre Laquia erfüllen diese Funktion. Dante Alemán, Chef der von der INRENA (Instituto Nacional de Recursos Nacionales: Nationales Institut für Nationale Reserven) geschützten Gebiete, behauptet: "Der Vorschlag dieses Rundreise, vorläufig "Heiliges Tal des Lercanlech, auf der Straße der Sonne" genannt, gibt an, eine große Vielfalt von Alternativen für den Besucher zu bieten, wie Natur, lebendige Kultur, Archäologie und Gastronomie". Auf dieser Strecke finden sich außer zwei vom Staat geschützten Gebiete auch andere interessante Gebiete wie die Wälder von Incawasi und Kañaris, Orte denen die Provinzregierung von Ferreñafe zunehmend mehr Interesse für die Errichtung von Gebieten unter Gemeindeschutz zugesteht, die ergänzend zu den vom Staat geschützten Gebieten wären. Der Vorschlag ist bereits fortgeschritten und wurde in einer Gemeindeordnung festgehalten, die die Einrichtung von Natur- und Kulturschutzgebieten von 37.500 Hektar im Distrikt zum Interesse der Provinz Kañaris, Provinz Ferreñafe, Region Lambayeque erklärt.
Außerdem wurde kürzlich das Gesetz zum Schutz, Erhaltung und Wiederbesiedlung der Inseln Rocas und Puntas Guaneras des Landes verabschiedet, das unter anderem die Inseln Lobos de Afuera und Lobos de Tierra zu nationalem Interesse erklärt.
Ein Teil des touristischen Angebots dieser Route orientiert sich auch an der Archäologie und Geschichte und Pómac liefert Gesprächsstoff. Es hofft darauf, dass die kürzlich begonnenen Ausgrabungsarbeiten in Huaca El Loro Quelle für neue Funde sein werden. Außerdem würde uns die Wertschätzung von Huaca Las Ventanas unter einem intersektoralen Abkommen des INRENA-INC-Consejo Provincial von Ferreñafe und COPESCO-MINCETUR erlauben, zu erfahren, wie die Pyramiden von Sicán wirklich waren, ihren Daseinsgrund, Architektur und Entwurf, damit sie nicht mehr nur als einfache Lehm- und Ziegelhügel betrachtet werden. Carlos Elera, Direktor des Museo Nacional Sicán unterstützt diesen respektvollen Umgang: "Dies ist ein biologischer und kultureller Korridor mit einem hohen Potenzial, die Identität zu stärken und das Authentische hervorzuheben, der dazu beitragen kann, die Lebensqualität zu verbessern und die Entwicklung der Gemeinden mit Muchik- und Quechua-Wurzeln unter einem ländlichen, nachhaltigen Tourismus fördern." Das Museum Sicán in Ferreñafe enthält eine reiche Ausstellung unserer Vergangenheit und es ist ein obligatorischer Halt für die Besucher des Lercanlech-Tals, da sich hier die Sammlung der größten Goldstücke des ganzen amerikanischen Kontinents befinden, unter denen viele Naymlap, die Vögel und das Meer abbilden.
Der Flug des Naymlap
Die Tour durch das Lercanlech-Tal vereint das Meer mit der Wüste, die Johannisbrotbaumwälder mit den Punagräsern und hochandinischen Lagunen, vereint Geschichte von legendigen Kulturen mit Natur, vereint Erziehung mit Forschung und Erholung. Es ist notwendig, die östlichen Bergwälder der Rundreise zu integrieren, wofür eine befahrbare Straße notwendig wäre, die den direkten Zugang von Chiclayo nach Kañaris ermöglicht, da die bestehende Straße nur bis Incawasi reicht. Mit den Worten Dante Alemáns, dieses Fehlen grenzt den Fortschritt und die Durchführung des Projekts ein. Dennoch ist die Koordination mit den Institutionen und verantwortlichen Organen notwendig, um die Durchführbarkeit zu prüfen und, dann falls möglich, den restlichen Abschnitt in geplanter und gemeinsamer Form zu vollenden, um so negative Einflüsse auf den Bau zu vermeiden.
Wenn sie nun jetzt die Heilige Route des Lercanlech besuchen möchten, gleich dem magischen Flug Naymlas, müssen sie nur ihren Rucksack packen und losgehen. Die sprichwörtliche Wärme der Bewohner von Lambayeque wird ihr übriges dazu beitragen.
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